{"id":408,"date":"2018-02-12T11:34:33","date_gmt":"2018-02-12T09:34:33","guid":{"rendered":"http:\/\/medienrevolution.ch\/?p=408"},"modified":"2019-02-19T12:20:07","modified_gmt":"2019-02-19T10:20:07","slug":"der-mann-der-hodler-zum-filmstar-machte","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.medienrevolution.ch\/?p=408","title":{"rendered":"Der Mann, der Hodler zum \u00abFilmstar\u00bb machte"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ausgerechnet 100 Jahre nach Ferdinand Hodlers Tod (er stab im Mai 1918) tauchen Bewegtbildaufnahmen des Schweizer K\u00fcnstlers auf. 122 Jahre alt sind sie und stammen von der Landesausstellung in Genf 1896. Eine Detektivgeschichte.<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"\/\/tp.srgssr.ch\/p\/srf\/embed?urn=urn:srf:video:38b992ed-e686-473c-a2ff-941a22101bb7&amp;start=\" name=\"Filmaufnahmen von Ferdinand Hodler\" width=\"624\" height=\"351\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Nicht nur das Auftauchen der Bilder sind eine tolle &#8211; weil f\u00fcr Kunsthistoriker und Kunsthistorikerinnen interessante &#8211; Geschichte. Sondern auch die Askepte drum herum, die im Tagesschau-Beitrag keinen Platz fanden.<\/p>\n<p><strong>Typisch Landesausstellung: Nichts als \u00c4rger<\/strong><br \/>\nZun\u00e4chst einmal das Thema Landesausstellung: Es gab <a href=\"https:\/\/www.parlament.ch\/centers\/documents\/de\/ed-pa-aufsichtskommission-2001-6-d.pdf\">Probleme <\/a>mit der Infrastruktur (weil das Genfer Stimmvolk den Bahnanschluss an der Urne ablehnte), der Sommer war wettertechnisch schlecht und am Ende winkte ein Defizit (-270&#8217;000 CHF). An der Expo von 1896 gab es nicht nur ein Village Suisse (dort fanden die Filmaufnahmen statt, auf denen Ferdinand Hodler zu sehen ist), sondern auch ein Negerdorf, ein <a href=\"https:\/\/www.srf.ch\/wissen\/mensch\/landesausstellungen-ein-schweizerisches-unikum\">village Noir<\/a>. Ein Genfer Gesch\u00e4ftsmann holte \u00fcber 200 Menschen aus dem damaligen Sudan. Was f\u00fcr uns heute unvorstellbar ist, war damals v\u00f6llig normal. Im Basler Zoo, wo regelm\u00e4ssig solche V\u00f6lkerschauen stattfanden, sorgte ein Jahr vor der Expo die sogenannte Singhalesen Schau die h\u00e4lfte des j\u00e4hrlichen Besucheraufkommens aus. V\u00f6lkerschauen im Basler Zoo fanden noch bis 1935 statt.<br \/>\n<strong><br \/>\nDer Drahtzieher hinter den Aufnahmen<\/strong><br \/>\nDer Mann, der die Filmaufnahmen erst m\u00f6glich gemacht hatte, war ein Waadtl\u00e4nder Unternehmer und Filmpionier: Fran\u00e7ois-Henri Lavanchy-Clarke. Laut dem Historischen Lexikon der Schweiz war er Krankenpfleger beim Roten Kreuz und machte sich sp\u00e4ter f\u00fcr die Anliegen der stark. Ab 1889 war er Generalagent des englischen Seifenfabrikanen Lever Brothers. Vor allem aber war er Konzession\u00e4r des jungen franz\u00f6sischen Filmunternehmens Lumi\u00e8re. Als solcher veranstaltete er nicht nur Kinovorf\u00fchrungen, sondern produzierte auch selbst Filme. Lavanchy-Clarke hatte schnell erkannt, wie der Film funktioniert. Er sorgte nicht nur daf\u00fcr, dass die wichtigen Leute aus dieser Zeit jeweils vor der Kamera standen, sondern er setzte z.B. auch jene Produkte in Szene, die er selber vertrieb (z.B. Seifenprodukte).<\/p>\n<p><strong>Wer hat&#8217;s entdeckt<\/strong><br \/>\nDer Basler Filmhistoriker Hansmartin Siegrist hat einen der Filme von Lavanchy-Clarke bis ins kleinste Detail analysiert. Er spielt auf der mittleren Br\u00fccke in Basel am 28. September 1896. Auch in diesem Film sind die Auftritte der einzelnen Personen arrangiert. Deshalb ist auf der gleichen Aufnahme sowohl Seidenf\u00e4rber Achilles Lotz zu sehen, der katholische Pfrarrer und Angeh\u00f6riger des Jesuitenordens Abb\u00e9 Joye, sowie auch Lavanchy-Clarke als Regisseur selbst zu sehen. Als Siegrist weitere Filme von Filmpionier Lavanchy-Clarke unter die Lupe nimmt, st\u00f6sst er auf das Material der Landesausstellung in Genf. Und auf diesen Filmen sind teilweise die gleichen Personen in Szene gesetzt wie auf der Mittleren Br\u00fccke in Basel. Zum Beispiel die beiden Maler Max Leu und Emil Beurmann. Der Schluss liegt nahe, dass also noch weitere Angeh\u00f6rige der Schweizer K\u00fcnstlerszene von damals anwesend sein mussten. Weitere K\u00fcnstler wie Hodler, der f\u00fcr die Expo von 1896 einer der pr\u00e4gendsten K\u00fcnstler war und der notabene in Genf lebte. Doch erst die Digitalisierung der Filme in 4k Aufl\u00f6sung brachte den Beweis, zusammen mit anderen Indizien wie Hodlers pers\u00f6nlichen Notizen oder seinem ganz grunds\u00e4tzlichen Interesse an modernen Gestaltungsmitteln wie Photographie oder Film.<\/p>\n<p><strong>Ein who is who der K\u00fcnstlerszene von damals<\/strong><br \/>\nAbgesehen von Hodler konnte Hansmartin Siegrist auf den Expoaufnahmen weitere K\u00fcnstler aus der damaligen Zeit identifizieren. Unter anderem Albert Welti, dessen Bild \u00abdie Landsgemeinde\u00bb die Wand des St\u00e4nderatssaales ziert. Welti verstarb allerdings vor Vollendung des Bilds. Sein Freund Wilhelm Balmer malte es zu Ende. Auch Balmer ist auf dem Expo Film zu sehen. Genau so wie der Maler Hans Emmenegger.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ausgerechnet 100 Jahre nach Ferdinand Hodlers Tod (er starb im Mai 1918) tauchen Bewegtbildaufnahmen des Schweizer K\u00fcnstlers auf. 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