Die ideale Anmoderation beginnt mit einem «sharp topical statement» und ist 22 Sekunden lang

«Aber ich weiss doch, dass unsere Hörer das so und so wollen» – wie oft höre ich diesen Satz von Moderationskollegen oder -Kolleginnen. Dabei wissen wir es ja gerade eben nicht. Und vielleicht ist das ja auch ganz gut so. Denn wenn wir es wüssten, dann würden wir unsere Anmoderationen, Gespräche und Beiträge immer nach dem genau gleichen Muster sticken. Auf die Dauer wäre das langweilig (Clickbait lässt grüssen).

Und trotzdem wäre es verlockend zu wissen: Halte ich mein Publikum bei der Stange, habe ich die Aufmerksamkeit. NPR ist diesem Wunsch mit seiner NPR One App einen grossen Schritt näher gekommen.

Sara Sarasohn leitet das Projekt NPR One kurzen Einblick in die Erfahrungen mit der App gegeben. Im Interview mit current.org streicht sie zwei Erkenntnisse heraus, die die Anmoderationen (engl. Intro) betreffen.

«Die low-skip Intros (Anmoderationen, bei denen die Nutzer eher nicht skippen) sind meistens 22 Sekunden lang oder kürzer; und sie beginnen gerade nicht mit dem zeitlichen Bezug. Sie sagen also gerade nicht: heute ist folgendes passiert… Stattdessen beginnen die Anmoderationen mit einem knappen Statement zum Thema, das klar macht, was die eigentliche Idee ist. Erst später sagt die Anmoderation zum Beispiel: heute wurde eine Klage eingereicht. Aber am Anfang steht ein kurzes klares Statement zum Thema»

Eine weitere Überlegung, die Sarasohn mit auf den Weg gibt, betrifft den Umgang mit Serien: «Alleine die Tatsache, dass wir eine Serie machen, reicht noch nicht, um das Publikum zu überzeugen. Wir müssen einen anderen Ansatz finden», sagt Sarahson.

Mich überraschen diese Erkenntnisse keineswegs. Seit ich moderiere, komme ich mehr und mehr zum Schluss, dass die Zeit der staatstragenden und immer leicht aufgesetzten Ansprachehaltung, die ich im deutschen Sprachraum immer wieder antreffe, längst passé ist. Zwar will ich meine Hörer nicht überfordern, aber ich will auch nicht bei jedem Thema bei Adam und Eva beginnen und in minutenlangen Andockmodellen auf eine Geschichte hinleiten. Denn auf dem Weg dahin hat der Hörer schon weggezappt, wenn nicht physisch, dann zumindest gedanklich.

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Spotify für Radiobeiträge

Die App von National Public Radio mir als Nutzer Radiobeiträge zwischen drei und zehn Minuten vor. Ich kann sie überspringen oder liken. Die App erkennt meine Vorlieben und spielt mir mehr Inhalte vor von Themen, die mich (hoffentlich) interessieren. Wer die App in den USA nutzt, bekommt ausserdem Local News serviert, denn die App kann die Standortinformationen der User nutzen. Link: NPR One

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